Zwischen 2005 und 2026 begleitete plan2net die SCHRACK Technik GmbH als innovativer Open Source Dienstleister. Im Laufe dieser Kooperation entstand ein extrem leistungsfähiges E-Commerce System. Rückblickend zeichnen sich in der mehr als 20-jährigen Zusammenarbeit zentrale Entwicklungsschritte ab. In einem Interview mit dem Team von plan2net fragen wir nach den Faktoren hinter dem Erfolg. Immerhin hatte die Zusammenarbeit mit einer einfachen Firmenwebsite gestartet und ein hochperformantes E-Commerce System mit beachtlichem Online-Umsatz als Ergebnis.
Wir sprechen mit dem erfahrenen Projektmanager Wolfgang Twaroch, dem Senior Lead Developer Stefan Hekele und der Geschäftsführerin Sabina Loicht.
Wir blicken auf mehr als 20 Jahre Zusammenarbeit zurück. Wie begann die Reise von plan2net und SCHRACK?
Wir blicken auf mehr als 20 Jahre Zusammenarbeit zurück. Wie begann die Reise von plan2net und SCHRACK?
Wolfgang: Alles begann 2005 mit einem ersten Projekt, in dem wir mit dem Open Source basierten Enterprise CMS TYPO3 die neuen Websites und das Intranet für SCHRACK erstellen durften. Dynamische Websites waren damals ein Meilenstein - und SCHRACK hatte jede Menge davon: für jede Länderniederlassung eine.
Besonders gefreut hat mich damals das Lob der SCHRACK IT-Geschäftsführung zum erfolgreichen Projekt: “Ich darf mich sehr herzlich für Ihr Engagement für unser Projekt bedanken und gratuliere Ihnen zu Ihrer Organisation und diesem Team. Ich habe Respekt vor Ihrer professionellen Vorgehensweise!” (Norbert Kasper)
In den folgenden Jahren entwickelten wir die Open Source Strategie des Unternehmens gemeinsam weiter:
Die Erinnerung daran ist fast genauso verschwommen, wie das Foto selbst :-)
In den folgenden Jahren entwickelten wir die Open Source Strategie
2008 folgte ein erster Aktionsshop auf Basis osCommerce.
2009 übernahmen wir die Einführung eines neuen CRM Systems auf Basis SugarCRM, das eine Ablöse der Excel-Kundenverwaltung bedeutete und zwingende Voraussetzung für den geplanten neuen Webshop war. Nebenbei programmierten wir einen konfigurierbaren Belegdruck aus dem Warenwirtschaftssystem basierend auf JasperReports.
Ein entscheidender Wendepunkt war das Jahr 2010. Was passierte damals?
Sabina: 2009 erzählte ich dem SCHRACK Geschäftsführer für IT von einem erfolgreichen plan2net-Webshop für einen anderen unserer Kunden - dem Holzhändler JAF Frischeis. Norbert Kasper war sofort von der Idee begeistert, dies auch für SCHRACK in die Wege zu leiten.
Wir starteten Ende 2009 mit der Konzeption, die Implementierung erfolgte 2010. Besondere Herausforderung war das Handling der Produkte auf der “grünen Wiese”. Zu Weihnachten 2010 ging der erste SCHRACK Webshop auf Magento-Basis live - der Startschuss für eine neue, digitale Vertriebsschiene für SCHRACK.
Norbert Kasper von der SCHRACK Geschäftsführung betonte damals, dass dieses Projekt Teil einer langfristigen Strategie sei, um neue Marktsegmente zu erschließen.
Der Erfolg gab ihm recht: die SCHRACK Gruppe erwirtschaftet insgesamt rund 560 Mio Euro pro Jahr. Aus dem Prototyp von damals wurde ein Webshop, der als Online Salestool rund ein Drittel dazu beiträgt.
Stefan: Im Hintergrund haben wir uns währenddessen gemeinsam mit der IT von SCHRACK um Technik und Sicherheit gekümmert. Um lückenloses Systemmonitoring sicherzustellen, haben wir zum Beispiel NewRelic 2012 eingeführt. SCHRACK hat dann in Folge den laufenden Betrieb übernommen - ein klassisches Muster: wir erstellen für Kunden ein Produkt und der Kunde übernimmt dann den laufenden Betrieb seiner Business Applikation.
Die vielen Schnittstellen der SCHRACK Systeme und damit einhergehende Sicherheits- und Datenkonsistenz-Probleme mussten gelöst werden. So haben wir 2013 die asynchrone Datenübertragung über eine MessageQueue konzipiert und erstellt, 2014 das sogenannte Anlagentechnik-Modul für das CRM programmiert.
Wolfgang: 2010 ging auch die SCHRACK Live App online. plan2net zeichnete für die Anbindung an den Webshop und die redaktionell in TYPO3 gewarteten Hilfefunktionen verantwortlich.
Die App war einzigartig im Markt und so gut, dass sie später sogar vom Mitbewerb kopiert wurde.
SCHRACK wurde dafür mit dem Mercur Innovationspreis der Wirtschaftskammer ausgezeichnet.
Ging es danach genauso flott weiter?
Wolfgang: Ja, eigentlich schon: zielstrebig und mit hohen Anforderungen von Marketing und IT. Wesentlicher Erfolgsfaktor aller E-Commerce Projekte ist immer die gute Zusammenarbeit mit diesen beiden Fachbereichen - von Google Analytics bis zur Implementierung einer MQ.
2015 folgte die Newsletterverwaltung im CRM, 2016 eine Funktion um “Interessenten” mit einem systemübergreifenden Workflow in “Kunden” zu verwandeln.
2018 startete eine neue Generation mit Schrack4Students, das SCHRACK Angebot an Schulen und Auszubildende - wir programmierten das erste Backend zur Datenverwaltung.
2019 erstellten wir das sogenannte "MCMO Calc Tool", 2020 das Projekt "CDM/CIP Seiten zur Unterstützung der Angebote an Kunden.
2021 erweiterten wir TYPO3 um ein Downloadcenter sowie Contentfunktionen für Shop-Kategorieseiten inklusive Übersetzungsworkflow für die internationalen Redakteure.
2023 startete der Umbau zur Headless Architektur sowie die Konzeption verschiedener Mehrsprachigkeitsprojekte, 2024 folgte die Ablöse der Produktverwaltung in Magento, der Umbau der Datenstruktur sowie die Einführung mehrsprachiger Produkt- und Kategoriedaten.
2025 war dann das Jahr der Headless Architektur, der Microservices zum sicheren Datenaustausch und des Ausbaus der Mehrsprachigkeit - Basis zukünftiger Weiterentwicklungen durch die SCHRACK Technik.
Das sind viele Systeme, die da zusammenspielen müssen. Welche Rolle spielt eigentlich TYPO3 in diesem komplexen Ökosystem?
Wolfgang: Ich möchte da drei konkrete Bereiche betrachten, die besondere Relevanz hatten:
Content-Hoheit
Redaktionelle Pflege aller Inhalte in TYPO3 - in 14 Sprachen für 16 Länder.
Egal, ob für den Bereich der Website oder dem Webshop oder sogar für ausgeleitete Produkte, wie das individuelle SCHRACK-Aktionsbuch für Kunden. Auch Marketingtexte für Produktbereiche - alle redaktionellen Inhalte wurden in TYPO3 verwaltet. SCHRACK Mitarbeiter sollten möglichst wenig zwischen Systemen wechseln müssen.
Hohe Systemintegration
Seamless System-Integration von TYPO3, Magento und der Suchmaschine Apache Solr - die Usern im Frontend wechselten zwischen den Systemen, ohne es zu bemerken.
SEO Boost
Sogenannte SEO-Blöcke in TYPO3 für verkaufsfördernde Texte der Marketing-Redakteure, die automatisch auf den technischen Kategorieseiten des Webshops angezeigt wurden. Dies ergänzte die Texte, die aus dem Produktmanagement kamen und diente der besseren Verständlichkeit und Auffindbarkeit für Mensch und Maschine.
Mehr als 180.000 Produkte und ein 24/7-Betrieb. Da sind Performance und Sicherheit kritisch. Wie hat plan2net sichergestellt, dass Entwicklung und Betrieb reibungsfrei liefen?
Stefan: Wir setzen immer auf radikale Automatisierung und moderne Architektur:
Das Deployment erfolgte natürlich auch hier gemäß unseren 3-stufigen plan2net Standards: Development - Staging - Production. Wir nutzten ein Doppelserver-System: dabei wird ein Klon des Live-Servers für finale Tests genutzt und erst bei Erfolg live geschaltet, was für alle Beteiligten eine enorme Absicherung bietet.
Auf Qualitätssicherung haben wir schon immer hohen Wert gelegt. So führten auch bei allen Projekten für SCHRACK unsere GitLab-Pipelines automatisierte Tests - inklusive Visual Regression Tests - bei jedem Commit durch. Sehr großen Wert legen wir auch immer auf eine hohe Testabdeckung: bei SCHRACK haben wir 2025 eine Testabdeckung von 70% des Codes fast erreicht. Und dann gibt es bei uns ja auch immer das 4-Augen Prinzip - sogar in der Entwicklung!
Voraussetzung, dass das klappt, ist ein intelligent-automatisiertes Lager.
Und genauso ist das auch bei guter Architektur und Softwareentwicklung!
Mit den neuen Search Services lagerten wir 2025 wesentliche Funktionen des Webshops in Microservices aus, welche die bereits etablierte Apache Solr Search Engine um eine vorgelagerte Go-API für intelligentes und performantes Product-Handling erweitern. Diese Art der Architektur bietet allen nachfolgenden Projekten die Möglichkeiten, rasch, einfach und zukunftsoffen weitere Services anzubinden - sogar KI Tools.
Eine Go-API? Das klingt spannend. Kannst du das etwas genauer ausführen?
Stefan: Klar! Der Search Service wurde bewusst zweigeteilt aufgebaut: in einem ersten Schritt wurden Produktdaten aus unterschiedlichen Quellen aggregiert, konsolidiert und in einer lokalen PostgreSQL-Datenbank angereichert, dann gezielt in Apache Solr indexiert. Die eigentlichen Search-APIs arbeiteten anschließend vollständig ohne Datenbankzugriff und nutzten ausschließlich Solr sowie eine In-Memory-Konfiguration, um maximale Performance zu erreichen.
Über die vorgelagerte Go-API stellten wir API-first, OpenAPI-spezifizierte Endpunkte bereit, die exakt auf die Anforderungen von Listen-, Such- und Detailansichten zugeschnitten waren und sofort nutzbare Ergebnisse inklusive URLs lieferten.
Was war am SCHRACK Webshop eigentlich aus Sicht der Nutzer so besonders?
Stefan: Da gab es eine Menge an Funktionen mit echtem Mehrwert - wie zum Beispiel die Site Search:
der Auto-Suggest schlug in Echtzeit nicht nur die passenden Begriffe, sondern direkt Toptreffer-Produkte und Kategorien vor. Und genau diese wurden dann auch gleich in den nachfolgenden Suchergebnissen angezeigt.
Hier haben wir mit Solr eine echte Live Suche entwickelt!
Auch der Produkt-Support für bereits ausgelistete Produkte war eine klasse Idee: manchmal hat man doch ein Produkt gekauft, das nach einer Weile beim Hersteller oder Händler nicht mehr verfügbar ist. Aber weil SCHRACK besonderen Wert auf die Unterstützung seiner Kunden legt, bliben z.B. Daten- oder Montageblätter sowie Produktinfos ganz bewusst auch für nicht mehr verkäufliche Produkte online - natürlich mit Verweisen auf verfügbare Nachfolgeprodukte.
Wolfgang: Oh, da fällt mir auch viel ein: plan2net ist ja ein Systemintegrator und hatte daher immer schon die Schnittstellen zu TYPO3 als auch zu den Core Systemen von SCHRACK im Blick - sowohl zum und vom Webshop als auch zu und von den „Generator Tools“, die SCHRACK selbst erstellt hat und intern verwendet. Da waren z.B. die APIs zur PDF Generierung der Aktionsbücher, die an Kunden versandt wurden. Dabei suchten SCHRACK Mitarbeiter diejenigen Daten aus dem TYPO3 Backend aus, die zu der jeweiligen Kategorie und den Produkten passten, die ein Kunde als Aktionsbuch erhalten sollte. So wurde Content nur an einer Stelle gewartet und in alle Sprachen übersetzt.
Oder auch die CIP-Module, die wir 2020 erstellt haben. Hier haben wir einen automatisierten Workflow programmiert, der Inhalte bestimmter Kategorien aus TYPO3 - einfach redaktionell gesteuert - via API exportiert. Als Output wurden dann automatisch Webshop-Kategorie Seiten im Bereich „Know-how“ erstellt und auch definierte Inhalte an das “PDF-Tool” von SCHRACK übermittelt. Darin wurde für jede Produktkategorie der übertragene Content an die vorgegebene Position des Dokuments eingefügt und daraus automagisch ein PDF erzeugt. Dieser automatisiert erstellte Produktkatalog wurde dann den SCHRACK Kunden zum Download zur Verfügung gestellt - natürlich in allen Sprachen und für alle Märkte!
Exkurs: CIP steht für Kategorien von Fachinformationen und technischem Wissen zu verschiedenen Themenfeldern, die SCHRACK den Kunden anbietet.
Sabina: Die Mehrsprachigkeit war für SCHRACK immer essentiell. Mit der globalen Präsenz des Unternehmens waren natürlich Website und Webshop in allen Sprachen für alle Märkte hoch relevant – das betraf TYPO3 genauso wie Magento, SEO wie Search Engine, Web wie Print.
Und wohin wird die Reise von SCHRACK in den nächsten Jahren gehen?
Wolfgang: Das Ziel von SCHRACK ist eine deutliche Umsatzsteigerung, wobei das Wachstum primär über E-Commerce erfolgen soll. In unserem letzten Projekt 2025 für SCHRACK haben wir APIs für das Projekt “Web 3.0” erstellt, das die Frontends von TYPO3 und Magento durch eine React-Applikation abgelöst, vereinheitlicht und modernisiert und performanter gemacht hat. Wir haben APIs für alle Inhalte aus TYPO3 zur Verfügung gestellt um dem Webshop eine deutliche Performance-Verbesserung und technische Modernisierung zu verschaffen. Und ein neues Mehrsprachigkeitsfeature für alle Märkte und Sprachen.
Stefan: Richtig! Im letzten Projektzeitraum waren die Headless-Architektur, Microservices und die Mehrsprachigkeit Bestandteil unserer Arbeiten. Die Search Services und die neuen Architektur unterstützten das Konzept der Microservices und bedeuteten eine massive Performance-Steigerung für Import und Auslieferung an das Frontend des Webshops - wir haben damit die Basis für die Zukunft des SCHRACK E-Commerce gelegt.
Möglicherweise wird hier später auch Künstliche Intelligenz eine große Rolle spielen – ich zum Beispiel kann mir gut vorstellen, dass KI bei der Extraktion von Produktdaten aus Dokumenten eingesetzt wird, für Übersetzungen, zur Verbesserung der Produktdaten oder um Kundenanfragen in Natural Language (natürlicher Sprache) direkt über die Suche zu beantworten - aber das ist ein anderes Kapitel!
Sabina: plan2net durfte SCHRACK mehr als 2 Jahrzehnte bei vielen Projekten und Vorhaben unterstützen, Entwicklungen aus naher Distanz mitkonzipieren, -erarbeiten und sich über die Erfolge mitfreuen. Unser Team ist stolz darauf, einen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben: wir sind dankbar und stolz darauf, SCHRACK nicht nur als Technologielieferant bei entscheidenden technischen Weichenstellungen, sondern auch als strategischer Partner begleitet zu haben. Wir wünschen dem Team von SCHRACK alles Gute und, dass das Unternehmen auch in Zukunft seine Ziele erreicht.